Offensive Line in der Zone

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Ein guter Pass-Block, essenziell wichtig, damit Jay Cutler genug Zeit hat, um Pässe zu werfen. Ein guter Run-Block, oder die Running Backs sind verloren. Man kann also argumentieren, dass die Offensive Line die wichtigste Positionsgruppe im Football ist, sie stellt außerdem den Startpunkt des Spiels dar. Die Bears haben zu dieser Saison taktische Veränderungen vorgenommen, welche, sollen in diesem Artikel genauer erklärt werden.

O-Line Coach Dave Magazu gehört zu den sehr erfahrenen Trainern seiner Zunft. Er geht in seine 8. Saison unter John Fox und seine Erfolge können sich wahrlich sehen lassen. In seinen letzten beiden Jahren bei den Broncos erlaubte seine O-Line die wenigsten Sacks. Ein Jahr davor waren es noch die zweitwenigsten. Dabei spielten die Broncos hauptsächlich Zone Blocking.

Ab der kommenden Saison werden die Bears ebenfalls auf dieses Blockingschema umstellen, zuvor spielten sie Man Blocking. Zone Blocking ist vor allem für den Lauf ausgelegt. Das neue Schema bedarf viel Übung, ein Grund warum die Bears im letzten Jahr nur selten darauf bauten. Ebenso braucht es besondere Spielertypen, was die Abgänge von Jermon Bushrod und Matt Slauson nun erklärbarer macht. Athletik schlägt dabei Kraft, sodass hier, im Gegensatz zum klassischen Man Blocking, vor allem schnelle und kleinere/leichtere Offensive Linemen zum Einsatz kommen. Die Verpflichtungen von Ted Larsen und Bobby Massie sind somit sinnvoll, denn sehr bewegliche Guards und Tackles sind das A und O.

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Beim Zone Blocking wird die Line of Scrimmage in Zonen eingeteilt. Im Gegensatz zum Man Blocking, bei dem sich jeder einen bestimmten Defensivspieler vornimmt. Dadurch entstehen Double Teams und man braucht weniger Kraft. Die OLine bewegt sich in die Richtung des Spielzuges. Die Verteidiger sollen dann vom Spiel weg durchgereicht werden. Gelingt das, rückt i.d.R. der Guard blitzschnell in das nächste Level zu den Linebackern vor. Der Running Back steigt nicht durch eine vorgegebene Lücke, sondern sucht sich seine passende. Lange Läufe, wie im letzten Preseason-Spiel gegen die Patriots sind das Resultat von einem gelungenen Zone Blocking.

Beispiel

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Die Bears zeigen ihren besten Spielzug. Langford sprintet hier bis zur 5 -Yard-Line. Im Anschluss erzielt er den ersten Bears-Touchdown der Preseason.

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Whitehair und Long rücken sofort in die zweite Reihe auf. Da erhält Langford gerade erst den Ball von Cutler. Massie und Larsen auf der einen, Leno auf der anderen Seite reißen die Lücke auf.

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Langford geht durch und hat offene Wiese vor sich. Whitehair treibt seinen Gegner mittlerweile fast zehn Yards zurück. Auch Long wird seinen Mann völlig aufreiben. Die Receiver arbeiten jetzt auch wunderbar mit und verhelfen so zu weiteren Yards. Das 1st-Down wäre auch jetzt schon sicher. Die Bears haben sich im Anschluss diesen Spielzug immer und immer wieder angesehen und zeigen ihn als positives Zeichen der Offense. Scheint exakt wie im Playbook gelaufen zu sein. So einfach kann Football sein.

 

Jeremy Langford kommt diese Spielweise zu Gute. Er ist kein Power Back, sondern ein spritziger beweglicher Running Back, der gern mit einem Cut an den schweren Gegnern vorbeirauscht. Diese Räume werden ihm durch das neue Schema eher geschaffen. Wahrscheinlich wollten die Bears deshalb einen ähnlichen, aber erfahreneren Spieler in C.J. Anderson verpflichten, sind aber gescheitert.

Wir halten fest: Sobald Long oder Whitehair in die zweite Reihe aufrücken können, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Langford mindestens ein neues First Down erzielt. Das Gute daran ist, es ist völlig egal, wer sich wie vor der OLine bei einem Run-Spielzug aufbaut. Er wird einfach zu zweit in die Mangel genommen und vom Spielgeschehen wegbefördert. Tight Ends bringen mehr Double Teams an die LOS, mehr gewonnene Duelle und mehr Spieler, die zu den Linebackern vorgehen können. Wir werden, wie schon im letzten Jahr, häufig zwei TEs gleichzeitig auf dem Feld sehen.

Ein erfolgreiches Run-Game wird für die Bears der Schlüssel zum Erfolg sein, weil da, wo im Laufspiel die Stärken liegen, befinden sich beim Passspiel die Schwächen des Zone Blockings. Bei diesem Schema stehen die Tackle näher an den Guards. Das müssen sie natürlich beim Lauf wie beim Pass tun, damit das Spiel nicht durchschaubar wird. Das bedeutet allerdings, dass gegnerische Pass-Rusher von der O-Line nach außen durchgereicht werden müssen. Dies bedarf sehr viel Übung bis alle Abläufe sitzen, denn durch die Mitte darf beim Zone Blocking auf keinen Fall jemand durchbrechen. Inside Rushes von Middle Linebackern sollten vom frei gewordenen Center oder Guard abgefangen werden, da sowieso schon Räume für äußere Rusher gelassen werden. Cutler muss dann vorrücken (Step-Up) und Druck aufbauen, 6 Yards hinter der LOS wäre er ein gefundenes Fressen für Von Miller und Co. Wir können uns alle vorstellen, was passiert, wenn er in vollem Lauf mit einem Interior Linemen zusammenrasselt, also nochmal, Außen dürfen Verteidiger an Leno und Massie vorbeirutschen, die Mitte muss dagegen absolut dicht sein.

Genau diese Schwächen waren auch in den ersten Preseason Games zu beobachten. Die O-Line war noch nicht eingespielt. Die Broncos konnten ständig innen durchgehen. Die Back-Up Quarterbacks konnten keinen Druck aufbauen und wurden mehrfach von außen gesacked. Massie hatte Probleme bei der Übernahme von Verteidigern. Whitehair hält seine Hände zu hoch und gibt die Gegner nicht schnell genug weiter. So glitt er einige Male am Pad des Gegners ab und dieser konnte innen durchpreschen. Die O-Line muss sich, auch, wenn vor allem Leno und Long ihre Sache bereits bravourös gemeistert haben, im Pass-Blocking noch finden und einspielen. Sieht man allerdings die Entwicklung in der Preseason von Spiel zu Spiel und bedenkt, dass Larsen erst seit wenigen Tagen mit der ersten O-Line als Center arbeitet, bin ich guter Dinge, dass die Bears das rechtzeitig in den Griff bekommen. Allerdings werden wir mit ein paar Aussetzern von Rookie Whitehair wohl noch vorlieb nehmen müssen. Nach einigen Spielen müsste sich das aber stabilisieren.

Fazit

Die Offensive Line der Bears muss schnell und athletisch sein und kann mit der richtigen Übersicht wenige Sacks erlauben und ein gutes Run Game etablieren. Das ist bereits auf bestem Wege. Sieht man, wie oft sich Long und Whitehair im Spiel gegen die Patriots lösen konnten und was die Ergebnisse ihrer Blocks im zweiten Level waren, können wir uns nur auf die Saison freuen, damit auch endlich etwas zählbares dabei rumkommt.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".