Offseason Analyse: Wide Receiver

Alshon Jeffery

In dieser und der kommenden Woche analysieren wir die Positionsgruppen der Chicago Bears, um herauszufinden, auf welchen Positionen Handlungsbedarf besteht. Montag starteten wir mit der Quarterback Position. Dienstag schauten wir auf die Runningbacks, Mittwoch war die Offensive Line an der Reihe, gestern die Tight Ends und heute begutachten wir die Wide Receiver. In der nächsten Woche widmen wir uns der Defense, sowie der Special Teams Einheit.

Die Analyse der Offense ist beinahe abgehakt, es fehlen nur noch die Wide Receiver und bisher stellen fest, dass die Bears nur in der Offensive Line ein paar Löcher zu stopfen haben (es sei denn es tut sich etwas bei den Tight Ends).

Die meisten werden es sich schon denken, dabei bleibt es auch! Wenn die Bears es mal schaffen sollten, dass alle Wide Receiver fit sind (und bleiben!), dann sollte ihre Offense so richtig ins Rollen kommen! Ihr Top-4 WR haben zusammen 36 Spiele verpasst, der einzige Spieler, der über die Hälfte der Snaps einsatzbereit war, war Marquess Wilson. Die jüngeren Spieler mussten aushelfen und hatten ihre Aktionen, doch die Position, die die Stärke sein sollte, konnte ihre Erwartungen natürlich nicht erfüllen.

Alshon Jeffery

Schaut man allein auf die Zahlen aus Jefferys 8 1/2 Spielen sieht man einen Star. 102 Catches, 1.520 Yards und 8 Touchdowns. Doch eine Saison geht nun einmal über 16 Spiele. Seine Verletzungsanfälligkeit ist sein größtes Problem und es gibt keinen Grund dafür anzunehmen, dass diese irgendwann nicht mehr vorhanden ist. Also was ist sein Wert?

Die Chicago Bears boten ihm keinen Vertrag vor der Saison an und machten damit indirekt klar, dass sie in ihm (noch) keinen Elite Receiver sehen. So gut er dann auch in der abgelaufenen Saison war, es hatte immer den Anschein, als fehlte noch das letzte Etwas und dadurch kann man nur schwerlich argumentieren, er hätte seinen Wert steigern können. Nichtsdestotrotz können die Bears sich nicht erlauben, ihn auf den Markt kommen zu lassen, weil irgendeiner ihm die Summe zahlen wird, die ihm vorschwebt und Chicago hat keinen vergleichbaren Ersatz. Ob es über den Franchise Tag oder einem Langzeitvertrag geht, Alshon muss in Chicago bleiben!

Kevin White

Wir wissen nicht, wie gut Kevin White wirklich ist, wir alle glauben er kann den Unterschied ausmachen. Wenn Ryan Pace davon spricht, dass er es kaum erwarten kann, ihn endlich loszulassen, dann glauben wir noch umso mehr daran. Zum jetzigen Zeitpunkt jedoch, bleibt er eine Wundertüte.

Eddie Royal

Der eigentliche Plan mit Eddie Royal war es, dass er die gegnerischen Teams mit Underneath-Routes zerstört, während White und Jeffery den gegner auseinander ziehen. Stattdessen endete Royal in den meisten Spielen als der Beste der noch übrig gebliebenen Receiver. Dazu kommt seine eigene Verletzung, die er sich zuzog. Letztendlich sahen wir nur in den Spielen gegen Oakland und Detroit, was Eddie hätte veranstalten können. Da sein gesamtes Gehalt der kommen Saison garantiert ist, sehen wir ihn definitiv wieder.

Marquess Wilson & Marc Mariani

Marquess Wilson sprang als 2. WR ein und konnte das ein oder andere Mal glänzen, er ist Führender des Team mit 16,6 Yards pro Catch im Durchschnitt. Sein größtes Problem? Er kann sich viel zu häufig nicht vom Gegenspieler lösen. Er ist zwar erst 23 (brach früh das College ab), doch das nächste Jahr könnte über seinen längeren Verbleib entscheiden.

So seltsam es auch klingen mag, man könnte argumentieren, dass Marc Mariani von allen Receivern die meisten der wichtigen Pässe fing (19 von 22 führten zu einem 1st Down). Wenn Drives zu scheitern drohten, war Mariani zur Stelle und fand einen freien Raum, um einen Pass zu empfangen. Vor der abgelaufenen Saison kam er auf insgesamt 5 Catches, im Jahr 2015 hat er 22 Catches und 300 Yards zu Buche stehen.

Das Problem bei beiden Receivern ist, dass der 4. und 5. WR bei den Special Teams spielen sollte und keiner der Beiden sind dort wirklich zu gebrauchen. Wilson fehlt die Erfahrung in diesem Bereich und sein Körperbau ist nicht geeignet zum Blocken und Tacklen. Mariani soll ein Return Spezialist sein, bewies aber deutlich, dass er dem nicht entspricht (6,6 Yards pro Punt Return im Schnitt) und verlor deshalb seinen Job an Deonte Thompson.

Der Rest

Eben jener Thompson gehörte in dieser NFL Saison zu den Führenden in „durschnittliche Kick Return Yards“, wird aber nicht für Punts und im Offensivspiel genutzt. Josh Bellamy überzeugte bei den Special Teams, als Receiver war eher so naja. Er ist groß und athletisch, ansonsten aber noch unausgereift. Das Gleiche gilt für Cameron Meredith, früherer College Quarterback mit passender Größe und Physis, der allerdings weiterhin einen langen Weg vor sich hat.

Der Blick in die Zukunft

…sollte eine gewisse Vorfreude entfachen. Die Chicago Bears sind auf dieser Position mit reichlich talentierten Spielern besetzt. Während die Verletzungen dem Team in der abgelaufenen Saison schadeten, werden sie zukünftig nützlich gewesen sein, immerhin konnten die Talente aus der zweiten Reihe wichtige Spielpraxis gegen so manch gute Defense sammeln. Die Bears werden nicht in der Lage sein alle halten zu können, aber solange uns Jeffery erhalten bleibt, wird man hier nicht mehr groß investieren müssen.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.