Der SUPER-BOWLricht zum 50. Jubiläum

Wenn es am 07. Februar zum ultimativen Spiel der diesjährigen NFL-Saison zwischen den Carolina Panthers und den Denver Broncos kommt, blicken alle deutschen Football-Fans gespannt zum Super Bowl 50 nach Santa Clara, Kalifornien und hoffen auf ein spannendes und begeisterndes Duell der Nummer 1 Teams aus AFC und NFC. Beide Teams galten, obwohl sie in ihren jeweiligen Conferences die meisten Siege holten, vor der Postseason nicht als Favoriten auf den Super Bowl. Peyton Manning sei zu alt und habe seine besten Jahre hinter sich und die Panthers seien zu unerfahren und könnten den Schwung aus der Saison nicht mit in die Playoffs hinüber retten. Trotzdem werden sie beim weltweit größten Einzelsportereignis auf dem Platz stehen. Ein Blick auf die Statistiken beider Teams in diesem Jahr lässt allerdings auf kein spannendes Spiel hoffen. Die Broncos Offense kann auf dem Papier nicht mithalten und besitzt scheinbar kein Super Bowl-Kaliber. Wie es trotzdem ein spannendes Spiel werden kann und welchen Match-Plan die Teams verfolgen sollten? Das verrät euch der folgende Artikel. Viel Spaß damit!

Panthers im Ballbesitz:

Quarterback Cam Newton ist extrem stark gegen den Blitz, den die Broncos Defense in fast der Hälfte ihrer Spielzüge auspackt. Am liebsten wirft er seine Bälle auf Tight End und Ex-Bear Greg Olsen, sowie auf Wide Receiver Ted Ginn Jr. Gemeinsam produzierten die drei in dieser Combo fast 1,900 Yards in der Regular Season. Gerne wirft Newton aus dem geöffneten Arm auf die rechte Seite des Feldes und verlässt sich voll und ganz auf seinen „Blind Side“ Left Tackle Michael Oher. Hier liegt auch ein wichtiges Matchup. Gelingt es Oher den Pass-Rush des Star-Linebackers Miller zu stoppen, wird es für die Broncos sehr schwer werden. Er ist erfahren und hat mit den Baltimore Ravens bereits einen Super Bowl Titel geholt. Selbst wenn die Broncos die gegnerische Pass Offense in den Griff bekommen. Die gefährlichste Waffe der Panthers ist und bleibt ihre Run Offense. In über 46 Prozent ihrer Spielzüge spielten sie einen Lauf mit Running Back Jonathan Stewart und diesem gefährlichen Cam Newton aus. Vor allem gegen den Quarterback scheint in diesem Jahr kein Kraut gewachsen. Er ist vor allem in der Red Zone wie ein zwölfter Mann auf dem Feld und es wird für die Broncos Defense um den erfahrenen Coordinator Wade Phillips die schwerste Aufgabe sein, ihn und seine Zone Read Offense zu lesen und zu stoppen. Gelingt ihnen das, ist einiges möglich. Nur benötigt Phillips dazu vor allem Run Supporter TJ Ward. Sein Strong Safety wird ihm dann aber öfter im Duell gegen Greg Olsen fehlen, der wiederum dann im Matchup gegen Linebacker wie Brandon Marshall wohl ganz klar die Vorteile auf seiner Seite haben wird. Hinzu kommt das die Run Defense der Broncos zwar generell die drittbeste der Liga ist, aber gegen einen mobilen Spielmacher die Zweitschlechteste und bereits 12 Läufe über 10 Yards und mehr von Quarterbacks zugelassen hat.

 

Broncos im Ballbesitz:

Die Denver Broncos müssen also früh in Führung gehen und den Match-Plan der Panthers damit verderben. Wenn Newton und Co zurückliegen und die Zeit knapp wird dann muss auch er mehr passen und weniger laufen. In diese Situation ist Cam Newton in den letzten zwei Jahren selten geraten. Es wäre spannend zu beobachten, ob er dann immer noch so cool auftritt. Doch wie sollen die Denver Broncos das nur anstellen?
Zum einen sind da die Scores der Defense. Die Broncos machten in diesem Jahr bereits in fünf Partien einen Touchdown unmittelbar nach einem Fumble oder einer Interception und sorgten so für den wichtigen Unterschied in eng geführten Spielen. Sie konnten diese Begegnungen alle für sich entscheiden. Die Panthers haben 19 Turnovers in dieser Saison zugelassen und liegen damit im Durchschnitt in der NFL. Zum anderen benötigt Denver ein sicheres Kurzpasspiel und ordentliche Yards after Catch. Die Wide Receivers Demaryius Thomas und Emmanuel Sanders können das. Hier ist allerdings ein genauer Wurfarm von Quarterback Peyton Manning gefordert. Vor allem Flat Routes, Hitches und kurze Comeback Routes und Slants können ein probates Mittel sein. Durch die Mitte wird nicht viel möglich sein. Die Panthers blitzen nur bei jedem vierten Versuch und Inside Linebacker Luke Kuechly weiß seine Zone zu verteidigen und wenige Yards zuzulassen. Auch Star Cornerback Josh Norman kann seine Qualitäten vor allem bei längeren Pass-Routen ausspielen, ist dafür jedoch nicht der beste Tackler auf kurzer Distanz. Auf mittlerer und langer Distanz allerdings, ist er im Eins-gegen-Eins, aufgrund seiner Schnelligkeit, oft der Sieger. Die Offense der Denver Broncos muss dieses riskante Spiel wählen. Dabei wäre ein solider Arm von Quarterback Peyton Manning erforderlich, den er in dieser Saison leider zu oft vermissen ließ. Nicht einmal 60 Prozent seiner Pässe finden in diesem Jahr seine Empfänger. Vielleicht überrascht er uns dafür ja mit einem herausragendem Lesen der Coverage. Risikominimierung könnte vor allem durch einen hervorragenden Lauf um die Runningbacks Hillman und Anderson erreicht werden. Der Lauf ist vor allem in Yards after Contact von Spiel zu Spiel während der Regular Season immer besser geworden, jedoch hat das in den Playoffs wieder nachgelassen.

Wenn also die Carolina Panthers ihr Spiel machen dürfen und in der ersten Hälfte mit 8 Punkten plus vorne liegen, werden die Broncos keine Chance haben, dieses Spiel noch für sich zu entscheiden. Zum Schluss, dazu nochmal ein Blick auf die Statistik.

Total Offense (erzielte Punkte pro Spiel):
Carolina Panthers: 1. Platz (31.3)
Denver Broncos: 19. Platz (22.2)

Total Defense (erlaubte Punkte pro Spiel):
Carolina Panthers: 6. Platz (19.3)
Denver Broncos: 4. Platz (18.5)

Denvers Schlüsselpunkte

1. Newtons mobilen Zone Read stoppen, indem man ihn durch Outside Blitzes in der Pocket hält und in die Zange nimmt. Schlüssel: Von Miller muss das Matchup gegen Oher zu seinen Gunsten entscheiden und es dürfen keine unnötigen Strafen daher kommen.
2. Druck auf die Panthers Offense aufbauen, indem die Broncos früh punkten und gute Feldpositionen mithilfe ihrer Special Teams erreichen. Damit steigt die Chance, dass Newton dann Probleme bekommt. Ein Touchdown der Defense oder Special Teams kann das Spiel zu Gunsten der Broncos entscheiden.
3. Manning benötigt einen Sahne-Tag. Er benötigt satte 30 Completions durch sein Kurzpassspiel und darf dabei so gut wie keine Turnovers produzieren. Thomas und Sanders müssen als sicherste Empfänger seine Hauptziele sein.
4. Das Laufspiel muss auf allen Ebenen, Outside wie Inside Tackles funktionieren. Das nimmt Zeit von der Uhr und erhöht den Druck. Die beiden Running Backs müssen zusammen mindestens 140 Yards erzielen. Zusätzlich sollten Hillman und Anderson für einige Pässe empfangbar sein.

Carolinas Schlüsselpunkte

1. Den vielseitigen Lauf wie gehabt als Kernwaffe einsetzen um dadurch den Receivern wie Olsen und Ginn Freiräume für die entscheidenden Plays zu verschaffen
2. In den Special Teams lieber auf Nummer sicher gehen um den Broncos nicht auf Anhieb eine gute Feldposition zu schenken
3. Die Tackles, d.h. die ersten Kontakte der Verteidiger mit den Receivern müssen sitzen. Wenn die Panthers keine Punkte durch Defense/Special Teams zulassen und die Verteidigung keine Geschenke in Form von zu vielen Yards nach Catch oder Contact zulassen, dann bringt die Offense den Sieg locker nach Hause
4. Die Offensive Line, angeführt von Michael Oher muss dem gefährlichsten Pass Rush der Liga stand halten. Das Duell zwischen ihm und Von Miller wird an diesem Tag mitentscheidend sein. Auch Mike Tolbert wird als Pass Blocker gefordert sein.

Fazit

Die Vorteile liegen also ganz deutlich auf Seiten der Carolina Panthers. Nur wenn die Denver Broncos ihren Game Plan finden und ihn auf beiden Seiten des Balles von Anfang an umsetzen können, haben sie eine Chance, dass Peyton zum zweiten Mal die wohlverdiente Lombardy Trophy in den kalifornischen Nachthimmel recken kann. Es ist nicht unmöglich. Gelingt es ihnen nicht, wird Newton wieder eine Show abfeuern und die Saison wird mit einem breiten Lächeln und Tanzeinlagen der Nummer 1 „Super-Cam“ zu Ende gehen.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".