(K)eine Frage: Jeremy Langford der zukünftige Runningback der Bears!?

Am Sonntag sahen wir die wohl beste Performance einer Bears Offensive seit langem. Trotz einer langen Verletztenliste, vor allem auf Seiten der O-Line und der Passempfänger konnte das Team in den letzten Spielen glänzen. Selbst der Ausfall unseres Star- Runningbacks Matt Forte und die mit ihm verbundenen Hoffnungen auf einen positiveren Saisonverlauf als im letzten Jahr konnte sie nicht stoppen. Dieses hat vermutlich viele Gründe.

Nicht zuletzt, weil ein hervorragendes Laufspiel der Chicago Bears schon seit Jahrzehnten ein Garant für Erfolge wie den Super Bowl 1985 war, möchte ich hier nun vor allem auf unseren Rookie Jeremy Langford eingehen, der in den letzten beiden Spielen Starter auf der Position des Runningbacks gewesen ist und eine erhebliche Rolle bei den beiden Siegen gespielt hat.

Jeremy Langford ist 23 Jahre alt und wurde im letzten NFL Draft an 106. Stelle in der 4. Runde von den Bears ausgewähltt und erhielt einen 4-Jahresvertrag. Vorher spielte er in der Big Ten am College für die Michigan State Spartans zunächst als Backup von Le’Veon Bell und 2014 dann als Starter in allen Spielen. Zwischenzeitlich versuchte er sich während der Offseason mal als Wide Receiver, wurde allerdings nie als solcher aufgestellt. Er erzielte insgesamt 2.967 Rushing Yards und 40 Touchdowns und ist damit der drittbeste Runningback der Spartans Allerzeiten.

Die Analyse der Draft-Experten in den USA ergab, dass Jeremys Stärken vor allem in seiner 2014er Saison zu sehen sind und er wohl auch als Receiver eingesetzt werden kann. Als Runner vor allem außerhalb der Tackles und als guter Blocker bei Blitzes der gegnerischen Defense macht ihn dies zu einem guten Runningback, der bei Third Downs eingesetzt werden kann. Seine Schwächen sollen darin liegen, dass er zu wenige Tackles aufbricht und wenige Yards nach dem ersten Kontakt eines Gegners erzielt. Diese Analysen sorgten dafür, dass er in Runde 4 noch zu haben war, da er nicht für einen zukünftigen NFL Starter gehalten wurde, allerdings mit Potenzial. Dieses Potenzial müssen die Scouts der Bears wohl erkannt haben.

Jeremy Langford erzielte in den letzten beiden Spielen 324 Yards bei 48 Ballkontakten und 3 Touchdowns. Er erzielte 3,8 Yards pro Lauf und 17,9 Yards pro Catch. Das sind Statistiken, die Matt Forte in den allerbesten Spielen seiner Karriere erreichte. Er läuft, entgegen aller Erwartungen auch gut innerhalb der Tackles und kann auch ausbrechen und weite Läufe kreieren. Er schaffte als Runningback etwas, dass bisher nur Walter Payton und Gayle Sayers im Navyblauorangenen Trikot gelang. In einem Spiel über 100 Yards zu fangen und je einen Rushing Touchdown und Receiving Touchdown zu erzielen. Das ist sensationell!

Das alles macht ihn zu einem sehr guten Ersatz für den erfahrenen Matt Forte, von dem er im Training wohl sehr viel in diesem Jahr gelernt hat. Jeremy Langford wird Chicago in den nächsten vier Jahren insgesamt nicht einmal 3 Mio. US-Dollar kosten (inkl. aller Boni). Matt Forte erhält in diesem Jahr allein 9,2 Millionen. Sein Vertrag müsste am Saisonende verlängert werden. Jedoch wird man nicht bereit sein, zu viel für ihn zu bezahlen. Vor allem dann nicht, wenn sie bereits einen potenziellen Starter im Aufgebot auf dieser Position haben.

Jeremy Langford ist der zukünftige Runningback der Chicago Bears, keine Frage. Er kann das Niveau von Matt Forte erreichen, ist er diesem schon jetzt sehr nahe und dabei deutlich jünger und längst nicht so kostspielig. Er ist genauso vielseitig einsetzbar und gefährlich im Pass-Angriff. Er ist schneller, jedoch noch nicht so gut im Aufbrechen und Ausweichen von Tackles.

Stellt sich nur noch die Frage, was passiert mit Matt Forte und seinem am Ende der Saison auslaufenden Vertrag? Da mit Ka’Deem Carey, ein weiterer junger Running Back im Kader, gerade seinen Durchbruch feiert, sind die Bears in einer guten Verhandlungsposition. Im nächsten Frühjahr werden wohl so einige Verstärkungen geplant sein, so sehe ich kaum Chancen für einen Verbleib von Matt, es sei denn er wird sich mit einer Rolle als situative Option zufrieden geben, genug Cap Space hätten die Bears wohl. Das ist allerdings weniger wahrscheinlich und so wird er vermutlich in Zukunft leider für ein anderes Team auflaufen. Ich würde ihm jedoch ein Karriereende in der Windy-City gönnen, hoffentlich macht man es irgendwie möglich.

philippgd
Bears Fan seit 2005, Beardown Germany Mitglied seit 2015. Ehemaliger O-Liner, dementsprechend mit einem Faible für diese Positionsgruppe. Heute vielmehr als Draft Nerd bekannt und ist seit 2019 Scout/Autor für das Football-Magazin "SCOUTREPORT".