Analyse: Offense Playcalls

Die Chicago Bears sind in ihrer Bye-Week angelangt, Head Coach John Fox sagte kürzlich dazu, dass das Coaching Team die Zeit nutzen werde, den Ist-Zustand zu analysieren und auszuwerten, wo und wie man sich für die restliche Saison verbessern kann.

Wir schließen uns diesem Vorhaben an! Anhand von Statistiken werden wir die Stärken und Schwächen der Bears Offense im Pass-, sowie Laufspiel analysieren. Außerdem schauen wir auf die Tendenzen bei den Playcalls, je nach Down und/oder Feldposition. Dabei setzen wir den Fokus darauf, wo sie auf dem Spielfeld mit dem Pass-/Laufspiel Probleme haben oder dem Gegner Probleme bereiten und wie oft sie die verschiedenen Zonen des Platzes über die beiden Wege attackieren.

Pass Offense:

Dafür teilen wir das Spielfeld zuerst in 6 verschieden Zonen auf: Die erste Unterteilung unterscheidet zwischen kurz (<15 Yards) und lang (>15 Yards), die Zweite ist vertikal und unterscheidet damit zwischen links (links von den Hashmarks), mittig (zwischen den Hashmarks) und rechts (rechts von den Hashmarks).

Diese Unterteilung ist in der unteren Grafik aufgegriffen, zusätzlich beinhaltet sie für jeden Bereich die Anzahl, die Erfolgsquote und die Yards pro Versuch.

PO

Die Bears forcieren selten die Mitte des Feldes.  Genauer gesagt sind es lediglich 8% ihrer langen und 12% ihrer kurzen Bälle. Es ist zwar normal, dass Pässe nach außen öfter verwendet werden, das machen die anderen NFL Teams genauso, die Bears allerdings, treiben dies ins Extreme.

Die Balance zwischen rechts und links stimmt. 95 Pässe zur linken, 94 zur rechten Seite. Diese Art von Balance ist vorbildlich.

Die Erfolgsquote bei Pässen nach links ist bedeutend besser. Die Anzahl der Pässe zu beiden Seiten ist fast identisch, was man über die Erfolgsquote nicht sagen kann. Das Bespielen der rechten Seite bereitet den Bears scheinbar enorme Probleme, es ist zumindest katastrophal schlecht, nimmt man den oben genannten ersten Punkt hinzu, zeigt dies die bisherige Berechenbarkeit der Chicago Bears.

Run Offense:

Nun der Blick auf das Laufspiel. Dafür unterteilen wir erneut das Feld, jedoch in 7 Zonen (hinter jeden O-Liner Spieler + beide Außen) und ohne Tiefe. Die untere Grafik zeigt für alle Abschnitte die jeweilige Anzahl, sowie die durchschnittlichen Yards pro Versuch.

RO

 

Die Zone, die am häufigsten anvisiert wurde, ist zugleich die Schwächste. Na gut, die Daten mögen durch die vielen „short-yardage“- und „goal to go“- Situationen verfälscht sein, aber bei Runs hinter dem Center 31. der NFL zu sein, ist damit nicht zu erklären. Die Bears sollten wohl besser Abschnitte anpeilen.

Die Runs über rechts, besondern rechtsaußen, sind erfolgreicher, als über links. Die Läufe hinter den Right Tackle und nach rechtsaußen waren die Effektivsten, wahrscheinlich muss die Dankbarkeit in dem Fall Kyle Long gelten.

Die Balance stimmt auch hier. 54% ihrer Runs sind zwischen den Tackles, 46% über Außen. Zudem sind sie 64x über die rechte und 68x über die rechte Seite gelaufen. Solch eine Balance ist super, zumal die Runs über Außen gleichzeitig auch effektiv sind.

Playcall Tendenzen:

1st Down:

Run in Prozent: 54%
Pass in Prozent: 46%
durchschn. Yards pro Run: 3,8
durchschn. Yards pro Pass: 6,3

Die Bears sind tatsächlich dabei, eine Run-First Identität zu etablieren. Allerdings übertreiben sie mit den Runs nicht, was gut ist, denn das würde sie sowieso nur durchschaubar machen. Die derzeitige Balance sollte also beibehalten werden. Leider betreiben sie es bisher noch nicht sonderlich erfolgreich (durchschn. 3,8 Yards pro Versuch). Zudem profitiert die Offense, bei frühzeitiger Etablierung des Runs.

2nd Down:

3

Die Bears sind ziemlich berechenbar beim „2nd & short“ Versuch. Sie haben bisher noch nicht einmal einen Passspielzug in dieser Spielsituation versucht, dabei ist diese, die beste Ausgangslage für einen Tiefenpass.

Die Passspielzüge beim 2nd Down sind nicht effizient.  In nicht einer Distanzunterteilung erreichen die Bears über 5 Yards im Durchschnitt.  Das führt logischerweise zu einer ungewollt hohen Anzahl an 3rd Down Versuchen.

Die Bears erreichen zu wenige 1st Downs mit den ersten beiden Versuchen. Genauer gesagt haben sie das nur bei 62 von 306 Chancen (20%). Dadurch gerät die Offense zu oft in große Drucksituationen (3rd Downs).

3rd/4th Down:

4

Die Bears spielen fast immer einen Run bei 3rd/4th & 1 Yards. Zumal sie dabei nicht sonderlich erfolgreich sind. Vielleicht ist das einer der Punkte, wo sie in Zukunft ansetzen.

Die Bears spielen extrem häufig einen Pass bei 3rd/4th & 2-3 Yards. Es wäre schön, wenn man zukünftig dort ein paar Laufspielzüge sehen würde. Vielleicht auch etwas, wo man demnächst ansetzt.

Die Offense gerät zu oft in „3rd & long“ Situationen. 49% ihrer 3rd/4th Down Versuche sind von 7 oder mehr Yards und bei nur 30% der 3rd/4th Downs brauchen sie 3 oder weniger Yards.

Die Bears sind effizient bei 3rd/4th & 4-10 Yards. In beiden Bereichen stehen sie bei über 40%.

Redzone:

Die Chicago Bears machten in dieser Saison 18 Ausflüge in die Redzone, dabei sprangen 8 Touchdowns, 8 Field Goals, 1 Interception und 1 Turnover heraus. Die 8 Touchdowns der 18 Redzone Drives ergeben eine Touchdown Quote von 44% und damit ist man 25. der NFL.

18 Drives, darunter waren 55 Laufspielzüge, was zu einem Verhältnis von 60 zu 40 (33 Pässe, 22 Runs) führt. Sie haben 17 Passe komplettiert (51,5%), 102 Yards (3,1 Yards pro Versuch), sowie 4 Touchdowns erzielt und 1 Interception geworfen.

Goal-to-Go

gtg

Die Bears nutzen ausschließlich Runs von der 1 Yard Line. Davon waren 3 von 4 Versuchen erfolgreich.  Nimmt man die Versuche von der 2 Yard Line hinzu, sind sie bei 4 von 5 erfolgreich.

Die Bears sind nicht in der Lage von weiter als 2 Yards in die Punkte zu laufen. Ihre 10 Läufe von 4 oder mehr Yards erzielten insgesamt nur 19 Yards (1,9 Yards pro Run). Unglaublich.

Das Passpiel ist komplett ineffizient.  Ab einer Weite von 7+ Yards verbessert sich die Statistik zwar, aber von gut ist man immer noch weit entfernt.

Die übrigen Versuche:

Nun gehen wir etwas weiter weg von der Endzone und schauen auf die restlichen Versuche in der Redzone. 22 Spielzüge der Offense gab es bisher zwischen der 11 und der 20 Yard Line, darunter waren 7 Runs, die 22 Yards (3,1 Yards pro Versuch) und 3 1st Downs einspielten.  Die anderen 15 waren Pässe, 9 davon wurden komplettiert (60%), 54 Yards (3.6 Yards pro Versuch) und 3 1st Downs erreicht.

1st Down: 2 Runs, 7 Yards (3.5 Yards pro Versuch) erzielt; 6 Pässe, 4 komplettiert (67%), 23 Yards (3.8 Yards pro Versuch) erzielt; nicht ein 1st Down

2nd Down: 3 Runs, 16 Yards (5.3 Yards pro Versuch), 1 1st Down; 5 Pässe, alle komplettiert, 33 Yards (6.6 Yards pro Versuch) erzielt, 2 1st Downs

3rd/4th down: 2 Runs, -1 Yard (-0.5 Yards pro Versuch), 1 1st Down; 4 Pässe, 3 Fehlpässe, 1 Sack einschließlich -2 Yards.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.