Secondary: Stabilisation durch Flexibilität

Der Defense Coordinator der Chicago Bears, Vic Fangio, ist bekannt dafür seine Spieler in den verschiedensten kreativen Varianten auf das Spielfeld zu schicken. Die Bears begannen die Saison mit einem Safety-Duo bestehend aus Antrel Rolle und Adrian Amos, während Kyle Fuller und Alan Ball als Cornerbacks starteten. Während die Front-7 tatsächlich unterschiedliche und interessante Ausrichtungen zu bieten hatte, könnte man die der Secondary eher als „normal“ bezeichnen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit einer Idee, was mit dem aktuell zur Verfügung stehenden Personal möglich wäre und zugleich die bisher mäßige Leistung aufzubessern, um die gesamte Defense weiter zu stabilisieren.

Zuallererst käme ein schwieriger Schritt auf Vic Fangio zu, Antrel Rolles Erfahrung macht ihn zu einem Fixpunkt innerhalb der Defense, doch würde man ihn durch Brock Vereen ersetzen, stünde der Defense eine Flexibilität zur Verfügung, die ihresgleichen sucht und somit einiges an fehlender inividueller Klasse kaschieren könnten. Zugegeben, Brock Vereens bisherige Leistungen waren schlecht, hinter ihm steht ein großes Fragezeichen, doch schauen wir uns einfach mal ein solches Szenario an. Wir beginnen mit einem Blick auf die jeweiligen Spielerprofile.

“I’ve played every position on the field — every skill position on the defensive-side of the field, except for Mike linebacker. I have experience playing the nickel position, the dime position, both safeties and both corners.”, damit beschrieb Adrian Amos seine College Zeit. Laut Pro Football Focus spielte er letzte Saison 178 Mal im Slot, ungefähr ein Drittel aller seiner Snaps. Brock Vereen absolvierte im College eine ähnliche Anzahl im Slot und wurde ebenfalls auf verschiedensten Positionen eingesetzt. Interessant werden die Profile dieser beiden Spieler aber erst, wenn man deren Vielseitigkeit mit der der Cornerbacks kombiniert. Alan Ball spielte zu Beginn seiner Karriere auf der Safety Position und Kyle Fuller zeigte, auch ohne Erfahrung dort zu besitzen, Fähigkeiten, um tiefer spielen zu können.

Meine Intention wird nun klar sein, eine Secondary mit einzigartiger Flexibilität, eine Secondary, in der jeder Spieler überall auftauchen kann. Lasst uns, von Fangios 2-4-5 Formation (Nickel-Defense) ausgehend, gemeinsam zwei Beispiele, zur Veranschaulichung, erläutern:

Secondary Bsp.1: 

Der Gegner stellt 4 Wide Receiver auf. Hier positioniert sich Adrian Amos neben den 9-Technik OLB und täuscht einen Blitz an, derweil befinden sich Alan Ball und Brock Vereen im Slot. Sobald der Snap erfolgt ist, lässt sich Ball fallen und gibt den alleinigen tiefstehenden Safety und Amos kümmert sich dafür um den Slot-Receiver. Der gegnerische Quarterback wird denken, es gebe keinen Safety und die tiefe Mitte wäre offen, doch nach dem Snap wird er von einem Safety und allen Receivern innerhalb einer Manndeckung überrascht. Die Bears wären in der Lage, einen Linebacker auf den Runningback abzusetzen und 5 Leute Druck auf den Quarterback ausüben zu lassen, was für jeden Spieler eine 1 vs 1 Situation an der Line of Scrimmage bedeuten würde. Ebenso könnte Amos tatsächlich blitzen und damit eine Überzahlsituation auf der rechten Seite des Quarterbacks schaffen, was den Runningback in die Rolle des letzten Bewahrer eines Sacks zwingen würde. Der Druck wäre in dem Fall so hoch, dass die Manndeckung nur für wenige Sekunden halten muss.

Secondary Bsp.2:

Der Gegner stellt 5 Wide Receiver auf. Andere Teams würde es dazu bewegen 7 oder 8 Spieler für die Deckung abzustellen, Fangio hätte jedoch das Personal, um 6 Leute Druck erzeugen zu lassen, abgsichert von einer dennoch sicheren Deckung. Bei dieser Überzahlsituation für die 6 Pass-Rusher müssen die sich in Manndeckung befindenden Defensive Backs auch hier nur eine kurze Zeit ihren Mann stehen. In Press Coverage wären die Receiver noch zuzüglich beschäftigt, was diese defensive Ausrichtung nicht nur zu einer Option gegen 5 Wide Receiver macht, sondern auch in 3rd Down-Situationen.
Eine Secondary mit einzigartiger Flexibilität, eine Secondary, in der jeder Spieler überall auftauchen kann, eine Secondary, die die gegnerische Offense vor einer Ungewissheit stellt, damit eigene individuelle Schwächen ausgleicht und die Defense in ihrer Gesamtheit weiter stabilisiert. Der Wunsch aller Bears Fans ist die Rückkehr der Monster of the Midway, endlich wieder eine gefürchtete Defense haben, für die man doch all die Jahre bekannt war, diese Maßnahme könnte der nächste Schritt auf dem Weg dahin sein.

Nachtrag, bezüglich der aktuellen Lage: Kyle Fuller wird derzeit in den Medien für seine schlechten Leistungen durch das Dorf gejagt. Ihm würde diese Variante momentan gut tun, wenn die Secondary nicht einer das Einzelkönnen der Spieler, sondern über das System kommen würde. An die Coaches soll noch gesagt sein, wenn die Beaa kurzfristig keinen Erfolg haben können, was in unserer Situation völlig in Ordnung wäre, dann ist es in der Langzeitbetrachtung besonders angebracht die jungen Spieler einzusetzen.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.