CHI vs MIN: Ein etwas anderer Spielbericht

An dieser Stelle müssten normalerweise die üblichen Punkte stehen, nach denen die Spielberichte sonst geordnet sind. Doch je öfter ich das Spiel erneut anschaute und darüber nachdachte wurde mir bewusst, dass ich diesmal keinen einfachen Spielbericht schreiben kann. Die endgültige Entscheidung fiel, als die allgemeinen Medienstimmen aufkamen.

Es hieß, Marc Trestman hätte die Offense zurück auf den richtigen Weg gebracht, er hätte die Offense in gute Stellungen geführt. Hat er das wirklich?
Jetzt mal ernsthaft, gegen wen aus der Vikings Secondary hätten die Bears Passempfänger kein (Größen-)Vorteil gehabt? Das Offensivtalent der Bears ist eben aufgrund des Unterschieds so unglaublich hoch, dass sie gegen jeden Defensive Back der NFL einen Vorteil durch ihre Größe haben.  Und was macht Marc Trestman aus dieser Stärke, außer viel zu viele Screen-Spielzüge anzusagen? Wann haben Marshall, Bennett und Jeffery mal einfaches Spiel bei tiefen Pässen? Die Antwort ist: selten.

Denn so ist Marc Trestmans Offense, die wir nun 26 Spiele lang verfolgen konnten. Es gibt Spiele, da werden eine Menge Screen-Pässe zu den Receivern gespielt. Manchmal aber auch nicht. Dann wird wieder der Tight End zu stark anvisiert. Manchmal aber auch nicht. Manchmal, wenn auch selten, wird ein vertikales Spiel aufgebaut. Manchmal aber auch nicht. Manchmal geht der Match-Plan auf, manchmal nicht. Die einzigen Konstanten, die ich mit Sicherheit benennen kann, ist, dass das System den Runningback oft ins Passspiel einbezieht und Runs nur selten eine Option darstellen, speziell vom Pro-Bowl Runningback.

Mancher würde meinen, Kontinuität bringt Stabilität, und diese wäre das Wichtigste, um in der NFL Erfolg zu haben, vor allem auf Seiten der Offense. Doch wenn man auf die Chicago Bears Offense blickt stellt man sich die Frage, welches System wird als Basis genutzt? Oder anders gefragt, welchen Unterschied würde es ausmachen, wenn man Marc Trestman nach der Saison ersetzt? Jeder halbwegs vernünftige Coordinator erkennt die Wichtigkeit Matt Fortes im Passspiel und das die Receiver größer sind, als die gegnerische Deckung.

So sollte auch das Spiel am Sonntag gegen die Minnesota Vikings betrachtet werden. Der Sieg beruht auf Jay Cutlers unglaublichen Arm, auf seine Wurfkraft. Der Sieg beruht auf Brandon Marshall und Alshon Jeffery, die ihre Größe und Stärke nutzten, um den Gegner auszuspielen. Der Sieg beruht auf Matt Forte, der es (wieder einmal) schaffte Yards zu erzielen, wo keine mögliche waren. Kurz gesagt, die Bears haben durch ihr vorhandenes Talent gewonnen und nicht durch ihren Head Coach.

Da es üblich ist, Jay Cutler für alles und jeden zu kritisieren, soll er hier nochmal extra genannt sein. Es gab eine besondere Auffälligkeit im Spiel am Sonntag. Die meisten Quarterbacks spielen nicht die Pässe zu Brandon Marshall, aus denen die beiden Touchdowns entstanden. Sie spielen die Pässe nicht!  Jay Cutler vertraut seinen Receivern enorm. Das stellt sich zuweilen als Stärke heraus. Dieses Jahr des Öfteren nicht.

janikbears
Gründer von Beardown Germany (2014). Eigentlich Fußballer, Trainer und hat auch dort eine Vorliebe für Taktik. Im Jahr 2010 auf die NFL gestoßen, wobei von Anfang an klar war, dass nur ein Team für ihn in Frage kommt.

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